Wanderung am Bartholomäberg, Vorarlberg, Österreich
Fotographie: ismael@raumundzeit.blog
Als ich den Rucksack auspacke, guckt er unter der Pelerine hervor, die schon ewig ungenutzt im Rucksack liegt. Und die liegt unter der Reiseapotheke, die zum Glück auch schon seit Jahren ungenutzt im Rucksack liegt. Und eben da drunter schaut er hervor, der Müesliriegel.
Nach genauerer Inspektion muss ich zugeben, dass er auch schon bessere Tage gesehen hat - zumindest dem Verfallsdatum nach. Wie viele Dutzend, wenn nicht Hunderte Kilometer habe ich ihn wohl schon mitgetragen, ohne es zu wissen?
Wir alle tragen, wie man auch umgangssprachlich sagt, einen Rucksack mit uns rum. Und der ist nicht nur mit Gutem und Schönem gefüllt. Die einen tragen ihn aufrecht, die anderen gehen gebeugt unter seiner Last.
So wie meinem Rucksack ergeht es eben unserem Kopf. Was tragen wir da alles drin mit, das uns täglich eine Last ist? Vieles, woran wir uns nicht erinnern können oder auch gar nicht wollen: unangenehme Situationen, Verletzungen, Konflikte. Vieles, bei dem wir uns falsch verhalten haben oder aber auch falsch behandelt wurden.
Wenn wir unseren Rucksack leichter machen und das alles loswerden wollen, müssen wir uns damit auseinandersetzen. Uns dem inneren «Müesliriegel» stellen.
Ab und zu muss man seinen Rucksack einfach ausmisten, auch wenn das unangenehm ist. Es könnte ja eine Banane sein, die da unten im Rucksack vor sich hin fault.
Jeder uns in irgendeinen unangenehmen Affekt versetzende Vorfall wird, auch wenn er sehr unbedeutend ist, eine Nachwirkung in unserm Geist zurücklassen, die, solange sie dauert, der klaren objektiven Auffassung der Dinge und Umstände hinderlich ist, ja alle unsre Gedanken tingiert, wie ein sehr kleines Objekt, nahe vor das Auge gebracht, unser Gesichtsfeld beschränkt und verzerrt.
Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena II, Psychologische Bemerkungen